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Zwar habe ich keinen Hund zum Spazierengehen, dafür eine Kamera. Und einen sehr geduldigen Mann. Aber das hat er ja vorher gewusst…

Winter Blues

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(c)Quotenchaot

Let’s Talk About Sex

Diese Sexismus-Debatte, ist die eigentlich vorbei? Weil ich nämlich eine Meinung dazu habe. Einer muss doch diese Reporterin verteidigen… Nein, war nur Spass. Aber darf man das, Spaß machen bei diesem Thema?

Es ist nämlich so: ich habe mir mein Studium durch Bedienen verdient. Einige Jahre davon in einer Diskothek, vor den Feiertagen auch mal gerne im Mini-Weihnachtsmannkostüm. Ich bin also quasi Sexismus-Experte. Würde ich jedem Hinternklapser einen Blogeintrag widmen, wäre ich hier lange beschäftigt. Es ist doch so: man muss nicht jedem volltrunkenen Spaßvogel dialektisch erötern, warum man ihn nicht nach hause begleiten wird. Da will heute jede Frau emanzipiert und gleichberechtigt sein, ist aber nicht Mann genug, mit einem dummen Spruch fertig zu werden. Irgendwo stellt sich dann einer hin und ruft: Opferabo! und die Frauen, die wirklich belästigt werden, die trauen sich dann nicht mehr. Denken, sie werden nicht ernst genommen am Ende.

Wenn zu mir einer sagte, ich könnte ein Dirndl-Dekolleté ausfüllen, dann würde ich ihm aber Bescheid sagen. Dass er da leider nie hinkommen wird. Und ihn im meinem Fall zum Optiker schicken. Mich hat einmal einer angequatscht: Du hast zwar ein Doppelkinn, aber tanzt du trotzdem mit mir? Das ist nicht sexistisch, aber unverschämt. Bestimmt nicht, habe ich geantwortet und war dann ein Jahr lang mit ihm zusammen. Was ich sagen will: es kommt immer darauf an, wer da zu dir spricht.

Ich weiß nicht, warum Männer zu Frauen sagen: Hast du aber einen tollen Hintern! Gab es in der Geschichte der Menschheit eine Frau, die begeistert gerufen hat: Du, wo warst du nur all die Jahre, denn auf genau dich habe ich so lange gewartet! Die haben da irgendwie einen Tick, die Männer, für die ist Busen ein ganz großes Thema. Ich versuche also, das Ganze aus dem Blickwinkel des stärken Geschlechts zu sehen und finde: Wolf Haas, der Salzburg so schön beschrieben hat: „tausend Kirchen und Klöster aufgefädelt am grün blitzenden Salzachfluß, das mußt du dir vorstellen wie ein funkelndes Edelsteinkollier zwischen den prächtigen Brüsten einer Oktoberfest-Kellnerin, praktisch Vollendung der Natur.“ Das ist doch Poesie, oder nicht?

Ach ja, und ich habe natürlich kein Doppelkinn.

Therapieschuhe

Am letzen Samstag habe ich das perfekte Paar Pumps gekauft. Sie haben mir Blasen an den kleinen Zehen gemacht, aber wen kümmert das.

Der Mann und ich hatten uns in die Stadt aufgemacht um sein statistisches Paar Schuhe für dieses Jahr zu kaufen. Im dritten Laden wurde mir sehr langweilig; Gummisohle, Ledersohle, wen interessiert bitte so was? Also bin ich kurz in die Damenabteilung spaziert und das standen diese Schuhe und riefen: Kauf uns! Nein, habe ich geantwortet, ihr seid zu teuer. Aber der Mann hat so schrecklich lange überlegt zwischen zwei identisch anmutenden Paaren. Da habe ich die Pumps in der Zwischenzeit nur ein bisschen anprobiert. Wollen Sie den Karton dalassen, fragte die Frau an der Kasse, dann können Sie die aber nicht zurückgeben. Ich wollte.

Außerdem brauchte ich dringend hohe Absätze. Für die Perspektive. Realität lässt sich durch Relation schaffen, Selbstbewusstsein durch neue Schuhe. Wahrscheinlich gibt es in jedem Job einen, der einen ärgert. Für diese Woche hatte ich mir vorgenommen, darüber zu stehen und dabei helfen 8 cm Absatz ungemein. Montag morgens bin ich in meinen neuen Schuhen in die Arbeit getippelt, ein Blick in die Schaufenster auf dem Weg: Wer ist denn das scharfe Ding da? Ach ja, das bin ja ich.
Ihr glaubt ich übertreibe? Dann stellt euch mal in Pumps an den Herd zuhause. Oder vor den Badezimmer-Spiegel, irgendwohin, wo man sonst in Hausschuhen unterwegs ist. Man ist größer auf einmal, sieht die Dinge anders. Gerader Rücken, Rückgrat, rückblickend war es immer da, auch in Gummistiefeln.

Und: es hat funktioniert. Ich stand auf meinen Absätzen. Ich stand darüber. Aber: es müssen schon die richtigen Schuhe sein, perfekte Schuhe und neu. Und es muss passen. Wenn man nicht zu sich selbst steht, dann helfen die höchsten Stilettos nichts. Das sind dann nur Schuhe, die drücken und stolz kann man höchstens sein, weil man den Schmerz nicht zeigt, den man beim Gehen empfindet. Größer zu sein hilft nichts, wenn man dann den ganzen Tag sitzen muss. Meine neuen Schuhe und ich aber, wir haben viele Komplimente bekommen diese Woche.

Glück im Unglück

Es ist ja so: man kann der fröhlichste Mensch auf der Welt sein, wenn einer beschließt, dich zu ärgern, dann ärgerst du dich. Da nutzt es nicht, an Karma zu glauben, oder an den lieben Gott, da kommt dich keiner retten. Probleme muss man, wenn man jetzt erwachsen ist, ganz alleine lösen.

Erwachsen bin ich ja nun eine Weile, und ich muss sagen: es ist nicht immer lustig. Mit 16 oder 17, da wollte man unbedingt volljährig sein. Das Leben schien überhaupt erst mit 18 anzufangen, davor war ein einziges Warten: auf den Führerschein, Tätowierungen und Wahlrecht. Leider musste ich bald feststellen, wie teuer das Benzin ist und wie begrenzt der Platz für Körperschmuck. Mit der Freiheit kam die Verantwortung. Mit 15 überlegst du, wie du deine letzten 10 DM am besten investierst um möglichst betrunken zu werden, mit 30 kannst du dir keinen Rausch mehr leisten ohne am folgenden Tag bitter dafür zu bezahlen. Überhaupt: früher hat man nur Geld gebraucht um feiern zu gehen oder CDs zu kaufen, heute gebe ich das meiste aus für Kantinenessen und Stromrechnungen. Man ist mit seinen Aufgaben gewachsen und hat dazugelernt, besitzt deshalb Lebensversicherungen, Ersatzschlüssel und farblose Schuhcreme. Man hat gesehen, wie ein Schicksalsschlag neue Maßstäbe setzen kann, wie sprunghaft das Glück ist und dass man es trotz allem festhalten kann.

Es gibt Momente, da will ich weder Verantwortung noch Freiheit, da will ich nur den Kopf in den Sand stecken. Nach Hause fahren und Kind sein. „Mama, da hat mich einer geärgert.“ Es fällt einem dann schon wieder ein, dass einem schon öfter im Leben ein Bein gestellt wurde. Dass man dadurch überhaupt erwachsen geworden ist, weil man aufgestanden ist und größer war hinterher. Gegen das Unglück ist ein Kraut gewachsen: love it, change it or leave it.

Mit 30 Jahren kann man sich schließlich nicht mehr hinter seiner Mama verstecken. Dafür habe ich jetzt den Mann, der verprügelt jeden, der es wagt, mich zu ärgern.

Gott sei Dank, die Raclette-Zeit ist vorbei, das kann ich nicht mehr sehen. Lebkuchen, die könnte ich noch sehen, leider haben wir keine mehr.

Das waren anstrengende besinnliche Tage. Früher war alles besser, aber das ist ja sowieso klar. Als wir Kinder waren, da gab es echte Kerzen am Baum und kein Plastiklicht, alle Großeltern waren noch da und zwangen einen in die Christmette zu gehen und die Geschenke-haufen waren riesig. Unter dem bunten Papier warteten noch echte Überraschungen. Heute bekommen wir, was wir uns gewünscht haben, überraschend ist nur noch, was sich der einzelne so gewünscht hat. Die Mama hat sich das selber ausgesucht, hat der Papa gesagt und gemeint hat er damit Froschkönig-Ohrringe.

Erst kam die Bescherung, dann kam das Raclette, dann kam endlich der Mann. Alles war sehr gemütlich, bis meine jüngste Schwester weggehen wollte. Gut, sprach der Alkohol aus mir, gehen wir. Obwohl es sehr weit zu dieser Kneipe ist, das wisst ihr, ja? Oh je, sagte der Mann, das wissen wir, und ertränkte den Satz mit einem großen Schluck Wein.
Erinnert ihr euch, als ich feststellte, dass es einige Dinge gibt, die mich ganz deutlich spüren lassen, dass ich jetzt mit 30 alt bin? Sehr alt kam ich mir nämlich vor, als ich daheim gelassen wurde an diesem Abend. Der Mann wurde auch zurückgelassen, der Papa sowieso. Weil wir nämlich zu erwachsen sind, stellte meine 17-jährige Schwester fest, und verheiratet und zu langweilig für sie. Wir drei haderten bei einer weiteren Flasche Wein mit unseren Verfall, meine Mama kam aus der Christmette und haderte mit. Meine unverheirateten Schwestern hatten draußen in der Welt ihren Spaß und aßen um 5 Uhr morgens den Kühlschrank leer.

Am nächsten Tag ging es den beiden nicht so gut und ich war froh, dass ich zurückgelassen worden war. Alt sein heißt nämlich auch Lebenserfahrung haben, oder wie die Oma gerne sagt: Schnaps ist Schnaps und Arbeit ist Arbeit. Was auch immer das bedeuten mag.
Wir fuhren zu den Schwiegereltern und aßen Raclette. Silvester fuhren wir zu Freunden und aßen Raclette. Im neuen Jahr habe ich bei Twitter gelesen, dass sich Sylvie und Rafael van der Vaart getrennt haben. Kein Voting auf bunte.de, ob sie wieder zusammenkommen. Das wird ein hartes Jahr…

Der Wetterbericht hat gesagt, das ist das letzte schöne Wochenende, nutzen Sie es aus, dann ist es endgültig vorbei mit Sonnenschein. Wir freuen uns auf Schnee und Weihnachten. Und räumen den Kleiderschrank um. Das Wetter haben wir schließlich schon den ganzen Sommer lang ausgenutzt, im November wird man doch mal drin bleiben dürfen am Sonntag.

Hinter den T-Shirt-Stapeln, Bikini-Knäuln und Sommerröcken lagern versteckt die Winterpullis und Wollkleider. Die letzten Monate führten sie ein Schattendasein, jetzt dürfen sie wieder in die Frontrow. Man bräuchte mehr Platz, aber egal wie oft man ausmistet, nach Wochen stößt jeder Stapel wieder an seine natürliche Grenze: das Regalbrett. Also wird umgezogen, zweimal im Jahr, das ist viel Arbeit. Das ist aber auch schön, da tauchen Dinge auf, die hatte man schon ganz vergessen. Die Feinstrümpfe tauschen mit den Wollstrümpfen, die Rollkragen mit den Neckholder-Tops. Einige Kleidungsstücke dürfen das ganze Jahr bleiben, ihre Daseinsberechtigung hat verschiedenste Gründe:

1. Man kann sie das ganze Jahr über tragen. Unterhosen zum Beispiel.
2. Man hat es noch nie getragen und wartet auf den richtigen Anlass. Wer kann schon sagen, ob das im Sommer oder Winter sein wird, das Ding hängt da schon drei Jahre und hat noch nie gepasst. War aber teuer.
3. Man hat es einmal geliebt. Jetzt pillt es oder ist ausgeleiert, aber früher war das anders. Man könnte es ändern lassen.
4. Man hat es einmal geliebt. Im Moment passt es nicht.
5. Man hat es einmal geliebt. Jetzt findet man es hässlich, kann das aber vor dem Mann, der es schon immer hässlich fand, nicht zugeben.
6. Es gehört einem nicht. Vielleicht verlangt es irgendwer zurück.
7. Es hat eine Geschichte.

Die Kleidungsstücke mit Geschichte sind die größten Platzfresser in meinem Schrank. Das tollste Stück ist ein brauner Wollpullover, den meine Eltern als 18-jährige nach einem gemeinsamen Urlaub auf dem Brenner für meinen Papa gekauft haben. Außerdem habe ich meinen ersten BH aufgehoben. Leider passt er mir immer noch, da ist nicht viel passiert, aber dunkelblau mit Blümchen muss mit 30 nicht mehr sein. Wohin also mit diesen Dingen? Sie liegen zwischen all den anderen Pullovern und BHs und sind der wahre Grund, warum ich so lange zum Anziehen brauche. Der Mann zieht ein sauberes T-Shirt an, ich werfe den halben Schrank auf das Bett bei der Suche nach etwas passendem, finde nichts. Bin unglücklich. Dann fällt mir mein Abi-T-Shirt in die Hände. Mann, ist das lange her, denke ich. Bist du endlich fertig, fragt der Mann.

Das mit der Winterkleidung hat der Mann schon vor Wochen erledigt. „Wo ist eigentlich meine braune Jacke,“ wollte er wissen. Sie war im Keller, ich habe sie gewaschen, an die Garderobe gehängt. Fertig. Der Mann liebt seine Kleidung nicht, er trägt sie. Zwar besitzt auch er noch die Pullover aus der Kollegstufe, jedoch um sie anzuziehen, Banalitäten wie kleine Löcher oder aufgetrennte Nähte stören ihn nicht im geringsten. Aber wenn er nicht zuhause ist, so wie an diesem Wochenende, da gehe ich in seinem ältesten Sweatshirt ins Bett. Einer muss sich ja kümmern.

Anfänger-Glück

Irgendwann vor Jahren habe ich also beschlossen, jeden Tag etwas zu machen, das ich noch nie zuvor gemacht habe. Einfach weil das Leben dann mehr Spaß macht. Denn wie oft fragt man sich: will ich da jetzt wirklich hin? muss ich das gesehen haben? kann man das essen? Und was man dann alles erlebt, wenn man es einfach macht.

Denn die wirklich aufregenden Dinge passieren leider nicht, während man auf der Couch sitzt und Schokopudding isst. Man muss meist rausgehen in die Welt dazu. Und hinterher kann man stolz sein, kann auf facebook seine Heldentaten zwischen den ganzen Babyfotos der daheimgebliebenen Freunde posten und es in die Welt twittern. Ganz lakonisch natürlich: riding an elephant. Ein normaler Montag Morgen halt.

Meist sind es allerdings Kleinigkeiten, die ich zum ersten Mal mache. Oft sogar Dinge, die ich ohnehin machen würde, aber wenn man sich ganz bewusst ist, da ist was neu, dann wird es besonders. Man kann einfach mal eine Straße früher abbiegen (risikobehaftet bei meinem Orientierungssinn), etwas zu essen bestellen, von dem man keine Ahnung hat, was es ist (auch riskant) oder den Bus nehmen statt dem Fahrrad (nie wieder, weiß ich jetzt aber ganz genau dafür).

Zur Zeit allerdings fällte es mir eher schwer, etwas zu tun, das ich irgendwann zuvor schon einmal getan habe. Den Sumpf der Generation Praktikum zu verlassen ist das eine, das andere, dass man trotzdem noch ganz am Anfang steht. Und im neuen Job gibt es neue Telefone, neue Kollegen, neue Arbeitswege (diese Busfahrt ist ein echtes Trauma für mich). Ich verbinde Anrufer ins Nirvana, spreche ständig mit Leuten, deren Namen ich vermutlich wissen sollte und bin eigentlich andauernd auf der Suche nach irgendetwas. Finde im Intranet heraus, dass in der Kantine Gesundheitswochen sind, finde aber die Kantine nicht. Alles Dinge, die ich noch nie zuvor gemacht habe. Weil das Leben dann mehr Spaß macht.

Jetzt besonders, weil Wochenende ist. Jede Menge Zeit zu googeln, fishing for Kompetenz. Wer ist das? Was könnte der gemeint haben? Und wer ist verantwortlich für die öffentlichen Verkehrsmittel in dieser Stadt? Kräfte sammeln. Falls ich mich zwischen all den neuen Dingen verlaufe am Montag.

Kinder, Kinder

Seitdem ich verheiratet bin, wollen die Leute um mich herum in erster Linie eines wissen: „Kinder?“

Bürokratisch gesehen fühlt man sich, als wäre man ausgeraubt worden. Man braucht einen neuen Pass, eine neue Bankkarte, eine neue Krankenkassenkarte. Wegen des neuen Nachnamens. „Ich habe nämlich geheiratet“ erklärt man ganz stolz. „Und, Kinder?“ bekommt man als Antwort. Ich kenne diese Leute ja überhaupt nicht. Wir haben ja ausserdem nicht auf einmal mehr Platz in der Wohnung oder mehr Geld auf Konto, nur weil wir geheiratet haben. Wann haben wir diesen Punkt überschritten, als man noch zu jung für Kinder war, noch Zeit hatte? Ich glaube es liegt auch an den 30ern, dass jeder findet, schön langsam… und auffordernde Gestik hinterherschiebt.

Schuld sind ja auch solche Paare wie unsere Freunde, die im vergangenen Oktober geheiratet haben (eine Woche vor ihrem 30. Geburtstag). Ein Jahr später haben sie ein Kind, fix und fertig auf der Welt. Gestern durften wir es ansehen, bei einem Baby-Geburtstags-Brunch. Der Mann hatte zunächst furchtbar Angst, dass das Baby Quietschgeräusche und Sehnsüchte bei mir auslösen könnte. Da saßen wir dann auf der Couch, eingeklemmt zwischen Spukwindeln und fremden Kindern. Wir lächelten vage in alle Richtungen, verstanden aber kein Wort. „Ich hab ihn ja schon in der Krippe angemeldet, als ich im 3. Monat war“ rief eine Mami der anderen über unsere Köpfe hinweg zu, „hat aber nix gebracht.“ „Kaffee?“, fragte der Mann und wir flohen in die Küche, wo wir auf andere kinderlose Paare trafen. Dort blieben wir, tranken viel Kaffee (weil wir ja nicht stillen müssen) und redeten und verstanden einander. Der Papa kam mit dem neuen Baby vorbei, die Frauen quietschten ein bisschen, die Männer warfen mit verbalen Zigarren um sich: Stammhalter, Erstgeborener… Das Baby quietschte jetzt auch mit hochroten Kopf und Papa musste zu Mama.

Heute waren der Mann und ich lange spazieren, trotz Wetter. Wir trafen auf Kinder in Schneeanzügen und Eltern mit Buggies. „Arme Menschen“, sagte ich, „die haben Kinder.“ Der Mann nahm meine Hand. „Lass uns einfach nie wieder auf Babyparties gehen. Und wer weiß, in fünf Jahren, vielleicht wollen wir dann doch welche haben.“

Ansichtssachen

Nachdem der Mann bereits die fabelhafte Idee hatte zu heiraten, hatte er noch einen Einfall, nämlich die Flitterwochen all-inclusive zu verbringen. All-inclusive, da war ich zuletzt mit 18 oder 20. Ich erinnerte mich an eine Menge Alkohol und viel Glitzer und Glimmer (von dem ich hier bereits zu einem früheren Zeitpunkt erzählt habe). Ich erinnerte mich ausserdem an… Ich wollte nicht all-inclusive flittern.
Aber wer kann dem Mann, der einen heiraten möchte, etwas abschlagen? Die Vorbereitungen waren sehr einfach, keine schmerzhaften Imfpungen, keine aberwitzig teuren Visa, für die man den Pass in die Hauptstadt schicken muss, keine Reiseliteratur voller historischer Abrisse und theologischer Exkurse. Es waren eher die simplen Dinge, die sich als Herausforderung erwiesen; so besitze ich keinen inktakten Koffer, nur einen Rucksack. Vollkommen ungeignet für Glitzer und Glimmer. Wir haben es trotzdem ins Flugzeug geschafft und flogen ins all-inclusive Land, in Richtung Sonne. Wir wollen keine Klisches dreschen über all-inclusive Urlaub, wir wollen schweigen über diese Flitterwoche, in der wir astreine all-inclusive Urlauber waren. Es gibt ohnehin kaum etwas zu erzählen, denn in so einer Hotelanlage passiert vor allem: nichts!
Es war ein Ereignis gleich nach unserer Ankunft am Flughafen, das Relation durch Realität schuf. Alle weiblichen Personen, die mit mir im Flugzeug gesessen hatten bildeten eine lange Schlange vor der Toilette neben dem Gepäckband. Ganz vorne fragte eine Frau die umstehenden Damen: „Warum benutzt denn niemand diese beiden Kabinen?“ Das sei ein Stehklo, wurde sie aufgeklärt. „Was ist da?“ Es gab Nachfragen aus dem mittleren Teil der Schlange. „Ein Stehklo“ wurden auch sie aufgeklärt. Da konnte ich vom allerletzten Platz in der Schlange an allen vorbeiziehen. „Das ist aber doch ein Stehklo“ rief eine noch ganz aufgeregt. Und ich habe mir in dem Moment gedacht, dass man auf viele Arten Spass haben kann. Auch in einem all-inclusive-Urlaub.
An dieser Stelle möchte ich aus gegebenem Anlass eine Fotoserie publizieren, an der ich schon länger arbeite, bisher aber nie einem passenden Rahmen fand.

Toiletten dieser Welt:

Alexandria (Ägypten)


Baharia (Ägypten)


Kharga (Ägypten)


Tuna el-Gebel (Ägypten)


Kharga (Ägpten)

Kharga (Ägpten)


Indien


Das allerdings hat selten Spass gemacht.

The final countdown

Die Idee zu heiraten war mit Abstand die beste Idee, die der Mann jemals hatte. Noch zwei Tage und ich kann nicht mehr schlafen, ich kann keine Schuhläden mehr sehen, ich kann keine Brautzeitschriften mehr lesen. Ich kann überhaupt nicht mehr. Vor zwei Monaten noch hab ich jedem erzählt, ach, das wird nicht so stressig, wir heiraten ja nur standesamtlich, nur im kleinen Rahmen. Vor zwei Wochen noch hatte ich einen Plan und viel Elan, bin Bruce-Springsteen-singend durch die Wohnung gesprungen. Jetzt springe ich immer noch viel herum, durchquere die Innenstadt im Dauerlauf auf der Suche nach tausend Kleinigkeiten, spurte vom Friseur zum Blumenladen zum Juwelier und hake die Liste ab, die irgendwie nicht kürzer wird. Mein MP-3 Player ist kaputt, die einzige Musik die ich ständig höre ist mein Handy-Klingelton, der Juwelier ruft an, der Florist, der Friseur. Ich irre weiter durch die Stadt, die Hände voller Tüten und einem Pappbecher mit Kaffee, in der Tasche singt das Handy, „Under the sea“ singt es, und ein bisschen fühle ich mich so: landunter nämlich.

Ein Großprojekt der letzten Wochen ist aber tatsächlich heute morgen fertig geworden:
Dirndl-Jacke
Vor Monaten nämlich fand ich die Idee, meine Jacke zum Dirndl selber zu machen ziemlich toll. Vor Monaten als ich noch Zeit hatte, da hab ich das ganze Internet nach der perfekten Anleitung durchsucht, bin durch die Wollläden gezogen und habe abends ein paar Maschen angeschlagen. Habe drei Maschenproben gemacht. Und in den letzten zwei Wochen habe ich quasi Tag und Nacht gestrickt, habe herausgefunden, wie man Noppen strickt und Blümchen stickt und war mehr als ein mal kurz davor alles vom Balkon zu werfen. Und als ich heute Vormittag die letzte Krebsmasche von der Häkelnadel gleiten ließ (nachdem ich heute morgen herausgefunden hatte, was Krebsmaschen überhaupt sind) war ich sehr sehr glücklich. Ich habe meine Stunde im Fitness verpasst deswegen, es wird schon keiner merken wenn ich mich einen Tag mal nicht in Brautform bringe, und ausserdem schaffe ich eh immer nur die Hälfte von dem, was ich mir für einen Tag vornehme. Manche Hobbies bleiben ganz auf der Strecke, keine Zeit zum bloggen zum Beispiel, von anderen Hobbies will ich für Monate nichts mehr wissen. Das Nähen, Stricken, Shoppen und Backen der letzten Wochen reicht für ein ganzes Jahr.
Aber in 44 Stunden werde ich in dem schönsten Dirndl in den tollsten Schuhen an dem perfekten Ort den Mann heiraten. Den einen, den ich dann für immer behalten darf. Denn darum geht es am Ende doch. Und da sitze ich und blogge und höre Bruce Springsteen in Dauerschleife. Noch fünf Minuten…
Where it is all going to happen

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